 Eine mitreißende Mischung
Hagen (kaw). In einer mitreißenden Mischung aus Musik und Kabarett präsentierte das Duo "Grenzgänger" rund 50 Zuhörern in der Burg Hagen eine ungewöhnliche Reise durch 200 Jahre deutsche und amerikanische Volkslieder.
In ihrem "Die ganze Heimat und das bißchen Vaterland" betitelten Programm schöpften Michael Zachcial (Gesang, Gitarre, Akkordeon, Mundharmonika) und Jörg Fröse (Geige, Mandoline, Bouzouki, Gesang) aus einem Repertoire, das vom Yankee-Doodle über Lieder von August Heinrich Hoffmann von Fallersieben bis zu Wolf Biermann reicht. Auch die "historischen" Stücke haben für die Folk-Kabarettisten immer einen aktuellen Bezug, geht es den "Grenzgängern" doch darum, musikalische wie geographisch-politische Grenzen aufzuheben. So ist es nicht verwunderlich, daß der Duisburger Michael Zachcial und der Bremervörder Jörg Fröse auch eigene Stücke zu Gehör bringen, die hauptsächlich im Ruhrgebiet spielen.
Diese Eigenkompositionen stammen überwiegend aus der Feder Zachcials, der, 1963 geboren, zwischen Fördertürmen und Kohlehalden an Rhein und Ruhr aufwuchs, mit dreizehn Jahren erste eigene Texte schrieb und später Gitarrist in einer Punk-band war. Fröse, Jahrgang 1959, hatte in verschiedenen Bands von " Plattdüütsch" bis Country-Rock gespielt und sich vor allem mit irischer und angloamerikanischer Volksmusik beschäftigt, bevor er vor fünf Jahren Zachcial in einer Bremer Kneipe traf, in der beide einen Soloauftritt hatten. Zachcial: " Wir ergänzten uns beide ohne viele Worte."
Die Zusammenarbeit als "Grenzgänger" ist für beide jedoch nur ein Teil ihrer künstlerischen Karriere. Während Zachcial als Komponist für den Schulfunk des Westdeutschen Rundfunks tätig ist, schreibt und auch schon eine CD mit eigenen Liedern herausgebracht hat, ist Fröse als Theatermusiker am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert, wirkt als Studiomusiker bei diversen Schallplattenproduktionen mit und schreibt "nebenher" Musikbücher.
Für ihre CD "Die Schiffe nach Amerika" erhielten beide im vergangenen Jahr den Deutschen Folk-Förderpreis 1995 und den Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik für "eine der künstlerisch herausragenden Neuveröffentlichungen des Tonträgermarktes".
Mit dem Auftritt der "Grenzgänger" sorgte der Heimatverein " Burg zu Hagen im Bremischen" e. V. erneut für ein kulturelles Highlight in unserer ansonsten in dieser Hinsicht nicht gerade verwöhnten Region. Das Publikum war jedenfalls begeistert und ließ die engagierten Musiker nicht ohne zwei Zugaben abtreten.
Freitag, 26. Januar 1996, Weser-Kurier (Osterholz)
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