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Musik erzählt Geschichte: Die Märzrevolution von 1920 stand im Mittelpunkt des Konzerts der Grenzgänger mit Frank Baier: Riesenbeifall und Bravo-Rufe.

WAZ
Pressestimmen

Intelligente Texte, spritzige Musik: Grenzgänger begeisterten

Montag, 19. Februar 1996, in: Pressestimmen

Pressestimmen

AUKRUG. Es tut sich etwas im Aukrug: Seit zwei Jahren ist der Kulturförderverein der Volkshochschule aktiv und organisiert Konzerte, Kabarettabende und Theaterfahrten. Recht erfolgreich und mit bemerkenswertem Anspruch, den die „Grenzgänger", ein Folk-Kabarett mit Michael Zachcial (Gesang, Gitarre, Akkordeon, Mundharmonika) und Jörg Fröse (Geige, Mandoline, Englische Concertina, Gesang) im Bökener „Rübezahl" über alle Erwartungen hinaus erfüllten.

Die Kunst der beiden sprengte bei weitem den Rahmen dessen, was man sonst so von Kulturfördervereinen geboten bekommt — leider wurde der Rahmen des Saales nicht genügend „gesprengt", es blieben sogar noch Sitzplätze frei. Wer aber dabei war, erlebte zwei exquisite Künstler und Komödianten. Sie nahmen alle mit auf eine musikalische Zeitreise durch 200 Jahre deutsch-amerikanische Beziehungen. Inhaltlich auf den Alltag der „kleinen Leute" fixiert und heftig für deutsche Volkslieder begeistert, boten die beiden Musiker mit eigenen Kompositionen sowie Originalen aus Hoffmann von Fallersleben, Walter Mehrings oder Kurt Tucholskys Feder, immer wieder überraschend Neues.

Sie verbanden Themen der Gegenwart mit vergleichbaren historischen Situationen, in denen das Leben von mehr als sechs Millionen deutschen Amerika-Auswanderern geschildert wurde. Unter anderem auch aus der Sicht des amerikanischen Senators Gary Davis, der 1841 davor warnte, daß zu viele deutsche Einwanderer für Amerika eine Gefahr bedeuteten, weil sie eine fremde Sprache sprächen, fremde Sitten mitbrächten und in abgetrennten Bereichen wohnten. Damit hielt Michael Zachcial allen einen Spiegel vor, die auch heute noch genauso reden und denken und machte klar, daß damals Deutsche in der Rolle von Wirtschaftsflüchtlingen waren.

Trotz ernstem Inhalt kamen Spaß und Witz nicht zu kurz. Die beiden begabten Musiker mit so gutem komödiantischem Talent ließen die Langeweile der Schiffsreisenden, Trockenheit oder einen fahrenden Zug, sogar das Floh-Problem auf den Seglern, mit ihren Instrumenten lebendig werden. „Kleinkunst" war das nicht mehr, das war schon größte Kunst. Zachcial und Fröse machten immer zusammen Musik, ergänzten sich spritzig, witzig perfekt und drückten — außer mit Worten — das mit ihren beiden Instrumenten, aus, was man sonst so schwer oder gar nicht ausdrücken kann: Das war Kultur, die Freude macht.

Ein besonderer Verdienst der beiden ist es, im Freiburger Archiv für das deutsche Volkslied alte Lieder auszugraben und sie wieder zu singen. Dank intelligenter Texte und spritziger Musizierweise, aber mit einem wachen Anspruch weit entfernt vom Musikantenstadel,  eben „Unbeschränkte Deutsche Volksmusik".

Drei Zugaben mußten die beiden geben; der Beifall fand kein Ende. Nach über zwei Stunden der beste Beweis, wie die beiden Künstler das Rübezahl-Publikum begeistert hatten.

REINHARD FRANK, 19. Februar 1996, Schleswig-Holsteinische Landeszeitung


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