 Deutsche Auswandererlieder - angenehm entstaubt
Seit Jahren ist die Verleihung des Deutschen Folk-Förderpreis so etwas wie ein Adelsschlag für den Nachwuchs der Szene - in diesem Jahr war es das Duo "Grenzgänger", das den 1. Preis dieses Wettbewerbs während des Tanz- und Volksfests im thüringischen Rudolstadt erhielt.
"Wer zu diesen Zeiten alte deutsche Auswandererlieder ausgräbt und sie in Relation zu aktuellen Zeitproblemen stellt, wer in diesem Zusammenhang von Fallersleben und Tucholsky bemüht und diesen vielstrapazierten Vorlagen neue Aspekte abgewinnt, der verdient Respekt," hieß es in der Begründung der Jury - und exakt mit diesen Auswandererliedern haben Michael Zachcial (Jahrgang 1963, geboren in Duisburg) und Jörg Fröse Jahrgang 1959, geboren in Bremervörde) eine CD eingespielt.
"Die Schiffe nach Amerika" heißt das Werk und ist so etwas wie eine Zeitreise durch zwei Jahrhunderte Flüchtlingsgeschichte: "Heute fahren die Schiffe nach Deutschland" - das ist die eigentliche Botschaft der beiden, die daran erinnern, daß Zigtausende Menschen aus deutschen Landen ihre Heimat aus politischen und wirtschaftlichen Gründen verlassen mußten und in Amerika eine neue Heimat fanden.
Musikalisch ziehen Zachcial (Gesang, Gitarre, Akkordeon, Mundharmonika) und Fröse (Geige, Mandoline, Bouzouki, Gesang) alle Register; Einflüsse aus aller Herren Länder haben sie zu einer Mixtur verarbeitet - keltische, osteuropäische, orientalische Töne sind unüberhörbar; und manchmal klingen sie wie die Fortsetzung von "Zupfgeigenhansel" mit modernen Mitteln.
Die Förderpreis-Jury war auf jeden Fall begeistert: "Folk an der Grenze zum Kabarett. Das Gesamtkonzept ist .traditionell, ohne dabei stehenzubleiben. Die beiden Akteure sind dabei von starker Präsenz auf der Buhne. Sie verstehen ihr musikalisches Handwerk." Oder wie ein Kritiker schrieb: "Volksmusik, angenehm entstaubt und richtig packend."
Westfälische Rundschau, 23. August 1995
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