Syke-Barrien. An Grenzen kratzen sie gerne. Werden auch schon mal politisch, ironisch und vor allem eines: kabarettistisch und richtig musikalisch. Am Freitag gastierte das Trio "Grenzgänger' in der Barrier Wassermühle und unterhielt das zahlreich erschienene Publikum bestens.
Hoffmann von Fallersleben heißt der Mann, der den drei Herren mit seinen Texten und Gedichten die beste Inspiration für ihre schwungvoll dargebotenen Lieder gab. "Dem Regierungsrat' zum Beispiel. Ihm widmete der Autor der deutschen Nationalhymne einige Verse. "Wir haben das mit einem Südsee-Karibikflair versehen, damit das Leiden dieses Mannes besonders sichtbar wird', verriet Sänger und Gitarrist Michael Zachcial augenzwinkernd. Aloha - Folk vom Feinsten ist das, was Zachcial und seine Kollegen Friedemann Bartels und Jörg Fröse servierten. "Und nun wollen wir gemeinsam singen für den armen Regierungsrat.' Zachcials zackige Worte verhallten unbeachtet.
Die Gäste in der Wassermühle bewegten nicht einmal die Lippen. Doch der Sänger gab sich nicht so schnell geschlagen. "Syke, wir hören dich nicht!' Die Zuhörer sangen nicht, applaudierten dafür aber umso begeisterter.
Denn der Humor und die ausgefallene Musik des Trios kam an. Zum Beispiel "Das erwachte Bewusstsein', das von Fallersleben 1843 schrieb. Das ist zu singen nach der Melodie von ‚Ein Jäger aus Kurpfalz'', erzählte Michael Zachcial. Aber ein deutsches Volkslied ganz folkig? Das geht nicht, war sich das Trio einig. Und machte etwas ganz Anderes und zudem Gewagtes. "Meine Damen, meine Herren: Tango!' Das Publikum klatschte begeistert. Soviel unkonventionelle Töne erfreuten. Und den Musikern stand die Spielfreude geradezu ins Gesicht geschrieben.
Einmal aber wurden die Folk-Kabarettisten ihrem Hoffmann von Fallersleben untreu. Nämlich dann, als sie den US-amerikanischen Abgeordneten Gary Davis aus Frankfurt/Kentucky zu Wort kommen ließen: "Schön, dass sie alle zu meiner Wahlveranstaltung gekommen sind. Aber es wundert mich, dass auch Frauen anwesend sind. Das Wahlrecht bekommen sie doch erst in 80 Jahren ...'
Michael Zachcial verstand es, die Geschichte deutscher Auswanderer und die daraus resultierenden Probleme ironisch zu verpacken. Dabei verkniff er sich auch kleine Seitenhiebe nicht. Die Mischung aus Historie, Musik und Kabarett gefiel, das Publikum applaudierte. Und hat an diesem Abend an Hoffmann von Fallersleben sicher ganz neue Seiten entdeckt.
Weser-Kurier, Syke, 29.4.02 - von unserer Mitarbeiterin Regine Suling
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