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Multikulturell zeigten sich die Grenzgänger. Mit zugabeträchtigen Kostproben aus ihrer silbernen Scheibe erlebte das Publikum im Ackerbürgerhaus — wie einst die Emigranten im Land der (un-)begrenzten Möglichkeiten — ihr blaues Wunder.

(Neue Westfälische).
Pressestimmen

Komik ohne Bindungsangst

Montag, 24. November 2003, in: Pressestimmen

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Das Publikum war beim "Festival of Folk and Fools" nicht nur Zuschauer - FFF: fein, froh und fetzig

Die Anfangsbuchstaben FFF des "Festivals of Folk & Fools" stehen synonym für fein, froh und fetzig. In der 13. Auflage des Westerwälder Kulturhöhepunktes erwies sich die Zahl 13 keineswegs als Unglückszahl, sie war der Glücksgriff auf deutsche Größen aus Comedy, A-cappella und Folkmusik.

WIRGES. Ganz besonders stolz war die Kleinkunstbühne Mons Tabor bei ihrem 13. "Festival of Folk & Fools" im Wirgeser Bürgerhaus auf die neue Beschallungsanlage. Sie wurde mit Unterstützung des Landes, der Kreissparkasse, der Nassauischen Sparkasse und der Gasversorgung Westerwald beschafft; und Torsten, Fabian und Mario verstanden die neue Technik auch zu bedienen.

 

Uli Schmidt (Horbach), Vorsitzender der Kleinkunstbühne Mons Tabor, hatte erstmals nur deutsche Gruppen für das Festival engagiert und begrüßte selbst auch die Zuschauer im Vorgriff auf die Schau sehr humorvoll: "Selbstbedienung, nicht rauchen und klingelnde Handys sofort wegwerfen!" Nun, das war nicht nötig, denn wer wollte bei dem tollen Programm noch telefonieren?

"Wir haben das Recht, dieses Land zu hassen - weil wir es lieben!" Unter diesem Motto präsentierte die Gruppe Grenzgänger aus Bremen musikalisch virtuos mit einem ordentlichen Schuss Kabarett die "Unpolitischen Lieder" von Hoffmann von Fallersleben: gegen Fürsten und Polizeistaat, gegen Spießer und Spitzel, gegen Obrigkeit und Zensur. Sie sangen das, was Denker denken und Schimpfer schimpfen; "Deutscher Michel werde wach!" Die Grenzgänger verhöhnten den deutschen Regierungsrat in lateinamerikanischen Tönen, priesen deutsche Frauen, deutsche Treue und deutschen Wein, tadelten den deutschen Philister, der alles mit sich geschehen lässt, und mahnten davor, dass die Flaschen leerer und die Köpfe voller werden. Selten hat man deutsche Geschichte so unterhaltsam und lebendig auf der Bühne gesehen.

Mit erfrischender Hemmungslosigkeit und intelligentem Blödsinn begeisterten die Brüder Podewitz aus Deutschlands Norden - sie führen den Schalk im Namen: Sie ließen ihre Quasselorgane auf Hochtouren laufen; ihrem Anarcho-Humor kann man sich nicht entziehen, und in ihrer "autoritären Unterhaltung" wird der Applaus militärisch exakt definiert: "Achtung! Stillgesessen!" Der gezielte Applaus muss den Mann voll umwerfen. Die Jungs machten Ernst, drohten dem Publikum mit lyrischen Gedichten und dem sizilianischen Heilpraktiker, dem Homöo-Paten, der Waffen aus biologischem Anbau hat, Bachblüten in Umlauf bringt und Akupunkteur (Bestecher) ist. Da begreift man auch, dass Teetrinker an der eigenen Schadstoffarmut sterben und die meisten Raucher nicht an Krebs zugrunde gehen, sondern auf Balkonen erfrieren. Stark ist die Szene am mobilen Bühnen-WC für Stehpinkler - was spritzt denn da ins Publikum?

Das köllsche Quintett Basta ist der neue Stern am deutschen A-cappella-Himmel. Es ist weltberühmt in Köln-Nippes und Wirges. Basta parodiert und persifliert und verbindet genial Musik mit Wort und Witz. Das ist eher eine Boy-Group als Comedian Harmonists. Die Jungs schlüpfen in die unmöglichsten Rollen und erfinden überraschende Gags. Da wird der Banker zum Clown, die Lady zum Vamp, die Beatles singen im Buona Vista Social Club, und Madonna singt mit Dean Martin. Bei aller subtilen Komik und allem Slapstick fehlt auch nicht das melancholische portugiesische Liebeslied und die "ernstzunehmende Politik" - das Publikum wird angestiftet und singt im Chor: "Wir sind dagegen!"
Doch dann kam der absolute Hammer, mit dem die Basta- Boys wohl selbst nicht gerechnet hatten. Im Chor der Männer verselbstständigte sich ihr Beziehungs-Song: "Bindungsangst! Ich habe Bindungsangst..." dröhnte es minutenlang durch den Saal, und dagegen kamen auch die cleveren Jungs aus Kölle nicht an!

Herbert Günther, Rhein-Zeitung 24.11.03

        


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