 August Heinrich Hoffmann, der sich von Fallersleben nannte und in unserem Gedächtnis lebendig ist, weil er das Deutschlandlied schrieb, hat es dem Trio „Grenzgänger“ angetan. Vor anderthalb Jahren veröffentlichte die Gruppe die inzwischen mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete CD „Knüppel aus dem Sack“. Aber zuvor schon waren auf ihrem ebenfalls dekorierten Auswandereralbum „Die Schiffe nach Amerika“ diverse Liedtexte Hoffmann von Fallerslebens zu finden. Im Bürgerhaus Weserterrassen stellte die Bremer Gruppe, die nur selten in der Stadt zu hören ist, ihr „Knüppel aus dem Sack“- Programm nun vor.
Darin begegnet uns der Dichter als eine zwischen Nationalismus und Liberalität zerrissene Persönlichkeit, die kräftig und ganz der aufgeklärten Haltung des Vormärz entsprechend gegen Philister wettert, die Zensur anprangert und in Sammlungen wie den „Texanischen Liedern“ von der Freiheit im fernen Amerika träumt. Zeilen wie „Adel, Ordenskram, Titel, Rang und Stände / und solch dummes Zeug hat allhier ein Ende“ stehen dabei heute in scharfem Kontrast zu einer Idealvorstellung Deutschlands „von der Maas bis an die Memel“. Im Kontext der Revolution von 1848 sind allerdings „Einigkeit und Recht und Freiheit“ noch Wunschvorstellung und revolutionärer Gedanke.
Die drei „Grenzgänger“ Michael Zachcial (Gesang, Gitarre), Jörg Fröse (Mandoline, Banjo, Geige, Concertina) und Sebastian Franke (E-Bass) lösen den Konflikt nicht auf. Sie präsentieren uns gewissermaßen das „andere Gesicht“ Hoffmann von Fallerslebens: das eines Träumers, der sich nach Amerika sehnte, es aber nur bis Helgoland schaffte, das eines vielfach verbotenen Dichters, der seine spitze Feder nie verlor und notgedrungen seine Gesellschaftskritik auch in Kinderliedern wie „Vom Schlaraffenland“ verbergen musste.
„Grenzgänger“ nehmen die Gedichte des 19. Jahrhunderts dabei ganz modern: Rockmusik und ein beschwingter Folkrocktouch entstauben alles Historisierende und lassen manch einen Text so wieder brandaktuell klingen. Das rundet das Trio mit vielen Hintergrundinformationen zu Dichter und Zeit zu einem gelungenen Abend ab.
Christian Emigholz, Weser-Kurier, 3.2.2003
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