 Albstadt-Ebingen. Garstige Gesänge des Hoffmann von Fallersleben sangen und spielten die "Grenzgänger" Jörg Fröse und Michael Zachcial am Freitag im Kräuterkasten.
Fallersleben, jeder denkt an das Deutschlandlied, aber sonst? Und der soll Stoff für ein Folk-Kabarett liefern? Er kann es. Jörg Fröse und Michael Zachcial erzählen von einem wichtigen Abschnitt seines Lebens, der Zeit, etwa ab 1840, als Fallersleben seine aufrührerischen Lieder schrieb, die den Oberen so revolutionär klangen, dass sie mit Veröffentlichungsverbot und Verfolgung reagierten.
"Knüppel aus dem Sack" - er trifft den Mann, der nur "mit Polizeierlaubnis" frei handelt und redet, den Philister, der es sich bequem macht und nur tut, was die Obrigkeit fordert, den Deutschen, der Denken als Ausrede benützt. Er lobt den Amtsrat, bei dem sich alles Menschliche auf einen Bericht reduziert und will den Frühling einkerkern, weil der "die Welt in Aufruhr bringt".
Ein Bild der Zeit von vor 150 Jahren - doch die Künstler machen den Bezug zur Gegenwart klar. Politische Flüchtlinge gab es damals wie heute. In New York hatten die Bewohner Angst vor Überfremdung durch deutsche Einwanderer; sie ist in Deutschland oft ein Argument etwa gegen die Türken. Und wenn der Auswanderer Amerika mit der Engstirnigkeit deutscher Kleinstaaterei vergleicht, denkt man unwillkürlich: aber heute?
Michael Zachcial trägt die Lieder mit viel Engagement vor. Hier singt einer, der etwas zu sagen hat, unterstützt von kräftigen Gitarrenklängen und stampfendem Fuß, der ein ganzes Schlagzeug ersetzt. Jörg Fröse bildet dazu das Gegengewicht. Ruhig und freundlich fängt er das Temperament des Partners auf, bringt Farbe, wenn seine Geige mal an Fernost, mal an Dudelsack erinnert, seine Mandoline Wanderluft schnuppern lässt oder die Englische Concertina zum Zwischenspiel anhebt.
Teilweise nach Anregung des Dichters lehnen sich die Melodien von Zachcial bewusst an Volkslieder an; sie peppen sie auf, klingen ein wenig nach Reinhard Mey, sind gefällig, aber nie volkstümelnd - ein politisches Lied muss kein garstig Lied sein. Das zeigen die Künstler den nur sehr wenigen Zuhörern im Kräuterkasten, von denen aber jeder mindestens für zwei applaudierte.
Von Ute Büttner, Schwarzwälder Bote, 8.4.2003
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