 Kabarett-Gruppe "Die Grenzgänger" präsentierten vor acht Zuschauern nur die Sparversion ihres Programms
Vegesack. Schade, dass die Gäste nur das "Sparprogramm" zu hören bekamen. Denn was die Kabarett-Gruppe "Die Grenzgänger" im Bürgerhaus bot, war musikalische Folk-Unterhaltung vom Feinsten. Und so ganz nebenbei bekamen die Zuschauer (fast) kostenlosen Geschichtsunterricht geliefert. Leider wollten nur acht Gäste das Programm "Knüppel aus dem Sack" sehen, deshalb spielten "Die Grenzgänger" nur eine kleine Auswahl ihrer Lieder von Hoffmann von Fallersleben.Aber dem Trio Michael Zachcial, Friedemann Bartels und Jörg Fröse war die Freude an der Musik trotzdem anzumerken. Mit peppigen, flotten Melodien verpackten sie die Gedichte des von Fallersleben: Mal spielten sie südamerikanische Tango-Rhythmen, dann wieder irischen Folk, orientalische Melodien oder Country-Klänge. Einige der Zuschauer konnten kaum noch ihre Hände und Füße still halten und wippten gutgelaunt im Takt. Verarbeitet hat Michael Zachcial, der die Programme der Gruppe zusammenstellt, unter anderem Texte wie "Knüppel aus dem Sack", in dem von Fallersleben von der Revolution im preußischen Staat träumt. Mit kurzen Erläuterungen erklärte Zachcial den historischen Hintergrund der Texte und gab so einen Einblick in die deutsche Geschichte.
Den "Regierungsrat" widmeten die Grenzgänger den Beamten. Das Lied handelte von einem übereifrigen Beamten, der seine Berichte schreibt und darüber fast alles andere vergisst: "Der Regierungsrat und sein Aktenstoß sind auf ewig miteinander verbunden." Zwischendurch stellte Zachcial auch immer sein Talent als Rezitator unter Beweis. Von Fallersleben behandelte in seinen oftmals garstigen Texten vor allem die deutsche – oder vielmehr preußische – Politik und charakterisierte das deutsche Volk ein ums andere Mal sehr treffend. Schließlich denkt der Deutsche: Ich bin, also denke ich. Außerdem hielt von Fallersleben seine Landsleute für extrem obrigkeitsorientiert und zu brav für eine gescheite Revolution.Begeistert war das Publikum von "Das erwachte Bewußtsein", das ursprünglich zur Melodie von "Ein Jäger aus Kurpfalz" gesungen werden sollte. "Aber wir dachten, das können wir uns nicht antun und unserem Publikum schon gar nicht", so Zachcial. Deswegen funktionierten sie den Jäger kurzerhand zum Tango um. Dabei sammelte Zachcial Sympathiepunkte, als er sich beim Text verhaspelte. Das Gedicht handelte von einer vollen Schenke, als er den Faden verlor. "Das ist heute so schwer nachzuvollziehen", sagte er und zwinkerte ins Publikum.Als Zugabe präsentierten die Grenzgänger nach knapp einer Stunde eine fetzige Eigenkompositionen über die Bremer Stadtmusikanten. Dem Publikum gefiel das Programm und der Abend – auch die kurze Version – machte einfach nur Spaß.
Michaela Ohlsen
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