 Die Grenzgänger und Frank Baier rufen die Geschichte des Kapp-Putschs im März 1920 in Erinnerung, der die noch junge Weimarer Republik tief erschütterte und ein Fanal für den aufkeimenden Faschismus war. Doch geht es auf "März 1920" nicht nur um die reaktionäre Verschwörung der Putschisten, sondern um die Welle des (roten) Widerstands an der Ruhr und den Kampf für ein demokratisches und fortschrittliches Deutschland.
Die Grenzgänger und Frank Baier betreiben keine politisch korrekte Geschichtsklitterung. Lebendig und anschaulich erzählen sie Geschichte von unten, mit allen Visionen, Siegen und Niederlagen. Gassenhauer, Politsongs, Kampflieder und Gedichte wurden ausgegraben, ergänzt mit neuem Text- und Songmaterial. Der Textbogen spannt sich logisch von der Frühzeit der Arbeiterbewegung (Ferdinand Freiligrath), über die Jahre vor und nach dem Putsch bis in die Gegenwart.
Für die aktuellen Texte sorgten u.a. Peter Möbius/Rio Reiser "Jetzt schlägt's 13", ein Song aus der Hofmanns Comic Theater Revue "Märzstürme", Frank Baier und Michael Zachcial von den Grenzgängern. Dazwischen sind O-Töne zu hören, etwa von den Sozialdemokratischen Politikern Philip Scheidemann und Gustav Noske, sowie von Zeitzeugen der Ruhrkämpfe.
Gerade in Zeiten zunehmender sozialer Entfremdung und Geschichtsvergessenheit ist "März 1920" ein ganz wichtiges Dokument gegen das Vergessen und das Auslöschen der Erinnerung. Musikalisch schafft das Trio mit Skiffle, Folk und originellen Rapeinflüssen ("MärzRap 1920") eine musikalische Verbindlichkeit, die aufhorchen lässt und vor allem Lust zum Zuhören macht. Der CD liegt ein umfangreiches Begleitheft bei.
Herbert Federsel in Jazzdimensions
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