 Duo aus Bremen begeisterte 200 Neuntklässler
Kierspe (seh) - Eine Pflichtstunde in Sachen Aus- und Übersiedler-Problematik — in Liedern und Musik vermittelt - war am vergangenen Donnerstag nachmittag für 200 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen an der Gesamtschule angesagt. Es war der Auftakt für einen von Dorothee Kuttner, die an der Schule Koordinatorin für Schulöffentlichkeit ist, neu geschaffenen Aktionsbereich, wobei in bestimmten Abständen Besonderheiten aus des musischen Spektrums dargeboten werden sollen. Der Beginn war jedenfalls gelungen, denn mit Michael Zachcial und Klaus Levin stellte sich ein Duo ins Rampenlicht das unter dem Namen »Grenzgänger« längst kein unbeschriebenes Blatt mehr ist.
Ihr Programm hatten die in Bremen beheimateten Alloundmusiker von A bis Z auf das Schicksal der Aus- und Übersiedler ausgerichtet. Einleitende Worte von Michael Zachcial stellten zunächst das Auswanderer-Problem des vergangenen Jahrhunderts in den Mittelpunkt. Damals seien es mehrere Millionen Deutsche und Iren gewesen, die ihre Heimat aus Existenznöten verlassen mußten. Im heutigen Sinn habe es sich um »Wirtschaftsflüchtlinge« gehandelt, und oft bekamen sie ähnliche Argumente zu hören wie heute in der Bundesrepublik die Gastarbeiter. Dieser Zeitabschnitt bildete auch den ersten großen Schwerpunkt des Programms.
Bekanntester Textdichter in der Reihe heute kaum noch hörbarer Lieder war Heinrich Hoffmann von Fallersleben , der neben dem »Deutschlandlied« freiheitlich-patriotische Dichtungen verfaßte, in denen es besonders um die Liebe zur Heimat ging. Teils mit Ironie und teils satirisch machten die »Grenzgänger« im Stil von Bänkelsängern auf das Geschehen um die politischen und politisch beeinflußten Ereignisse jener Jahre aufmerksam. Und diese wirkten sich auch prägend auf den Titel der Veranstaltung »Die ganze Heimat- und das bißchen Vaterland« aus. Der zweite Teil begann bei den emigrierten deutschen Schriftstellern der Jahre 1933 bis 1945 und führte zu den aktuellen deutsch-deutschen Begebenheiten. Selbst Lieder aus dem türkischen Kulturraum wurden klanglich so interpretiert, das ein Hauch von Anatolien zu spüren war.
Der von Anfang der Darbietungen an übergesprungene Funke entfachte bei den GSK-Schülern regelrechte Beifallsstürme. Und die schienen vorprogrammiert gewesen zu sein, denn bei beiden Künstlern handelt es sich um Profis: Michael Zachcial war schon im Alter von 17 Jahren Preisträger eines bundesweiten Schreibwettbewerbs, den das Förderzentrum »Jugend schreibt« in Köln veranstaltet hatte. Als Liedermacher begann er mit der elektrischen Gitarre. Klaus Levin begann, wie er der MZ verriet, auf einer Gitarre von »Neckermann« und blieb bis heute der Musik treu. Durch Zufall landete er beim Irish-Folk und war 1982 Mitbegründer der norddeutschen Folk-und Swing-Gruppe »Ringelpitz«. Was beide »Grenzgänger« auszeichnet ist die Perfektion, die sie mit den Instrumenten Gitarre, Akkordeon, Mandoline, Waldzither, Concertina, Keyboards und Mundharmonika im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule offerierten - es war jedenfalls hörens- und sehenswert.
Meinerzhagener Zeitung , Kierspe , April 1990
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