Musikalisches Kabarett in der Hagener Burg Konform mit der herrschenden Meinung? Nein danke. Ein Leitspruch für Individualisten, den sich die Folkgruppe „Grenzgänger" zu eigen macht. Das Trio begeisterte in der Hagener Burg mit ihrer Interpretation der „Unpolitischen Lieder" und garstigen Gesänge des Germanistik-Professors August Heinrich Hoffmann (1798-1874), der sich nach seinem Geburtsort von Fallersleben nannte. Der von ihnen gewählte Titel „Knüppel aus dem Sack", dem ersten Lied der ganz und gar nicht unpolitischen, sondern lediglich aus Sorge vor staatlichen Repressalien so betitelten Lieder, durchzog wie ein roter Faden den Abend. Michael Zachcial (Gesang, Gitarre), Jörg Fröse (Mandoline, Geige, englische Concertina und Banjo) und Friedemann Barteis (Schlagzeug) meisterten ein ungewöhnliches Arrangement aus Kabarett und Musik. Sie zauberten Unverwechselbares von bisweilen träumerischer Eleganz.
„Lambada" und „Tango" auszuwählen, um politisches Liedgut des 19. Jahrhunderts zu inter-pretieren, das hat schon etwas. Es zeigte auch, wie mutig Michael Zachcial seine Konzeption gestrickt hat. Für das Lied vom erwachten Bewußtsein wählte er den Tangorhythmus und verschmähte die Originalmelodie vom „Jäger aus Kurpfalz". Orientalische Klänge einzuflechten, schlägt gar den musikalischen Bogen zum „Fernöstlichen Diwan" eines Johann Wolfgang von Goethe. Wie nahtlos Texte, Absichten und kritischer Background in das „Grenzgänger" passen, zeigte die letzte von mehreren Zugaben. Darin beschreibt die Gruppe die Abgründe von Bettelei gesäuberter öffentlicher Plätze - in Bremen. Es gab vom Publikum in der Burg starken Beifall, tk
Nordsee-Zeitung, Kultur - 13.10.2000
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