 Nicht ohne Grund stellten die Bremer Folk-Avantgardisten "Grenzgänger" und Liedermacher Frank Baier ihre neue CD im Ratskeller Hamborn vor. Nicht nur, dass Frank Baier und Michael Zachcial von den "Grenzgängern" gebürtige Duisburger sind, vielmehr wollen Band und Liedermacher mit dem neuen Programm "1920" auch an ein Stück vergessene Duisburger Geschichte erinnern: den Volksaufstand im Ruhrgebiet im März 1920, als Reaktion auf den Putsch des kaiserlichen Militärs in Berlin.
Damals gelang es den Arbeitern, Reichswehr und Freikorps in Duisburg aufzuhalten, das Walsumer Rathaus wurde Kommandozentrale. "In der Schule habe ich darüber nichts gelernt, dabei bin ich direkt um die Ecke zum Gymnasium gegangen", so Liedermacher Michael Zachcial. Mit Gitarre, Ukulele, Harmonika und Kontrabass, viel Charme, ein bisschen Ruhrpottsentimentalität und dem ein oder anderen Seitenhieb auf die aktuelle politische Lage gestaltete sich der Abend im Freizeitzentrum kulturiges rund um die Ereignisse von 1920. "Die Grenzgänger" (Michael Zachcial, Jörg Fröse und Arne Wagner) und der Liedermacher spielten Selbstkomponiertes wie "Frühling im Revier", aber auch Lieder aus der damaligen Zeit. An der Aktualität des Themas wollte Abend niemand zweifeln: "Es geht doch immer schon um Interessen, auch wenn heute die Grundsicherung da ist und wir nicht mehr unbedingt um ein Stück Brot kämpfen müssen", so Zuhörer Martin Caspers. Und damit die Zuschauer des Abends sich ausnahmsweise auch einmal wie Großindustrielle fühlen durften, sangen zum Schluss alle gemeinsam: "Wir sind Bonzen, Bonzen, Bonzen - uns geht´s gut!"
olf, WAZ Duisburg, 21.03.2006
Kommentar: Es waren nicht "kaiserliche Truppen", die geputscht haben sondern Truppen, die die SPD-Reichsregierung selbst aufgestellt hatte, als Soldaten der Republik. Diese verachteten allerdings die Demokratie und waren nach wie vor kaisertreu. Trotz aller Warnungen ließ die SPD-Reichsregierung diese republikfeindlichen Truppen gewähren, und das war ja das Drama. (Michael Zachcial)
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