Lieder-Matinee im Syker Kreismuseum mit dem Sänger Michael Zachcial lädt zum Träumen im Schlaraffenland ein
Syke. "Alle Speisen gut geraten, und das Finden fällt nicht schwer. Gäns und Enten geh'n gebraten überall im Land umher. Mit dem Messer auf dem Rücken läuft gebraten jedes Schwein. O, wie ist es zum Entzücken! Ei, wer möchte dort nicht sein" - das sind die Zeilen der zweiten Strophe des Gedichtes von Hoffmann von Fallersleben. Am Sonntagvormittag wurden die von Michael Zachcial im Syker Kreismuseum gesungen, denn das Thema lautete: Träume vom Schlaraffenland.
Um sich entsprechend auf die Lieder-Matinee des Künstlers einzustellen, wurde in der Diele des Kreismuseums ein Frühstück serviert. "Zusammen mit Ralf Vogeding ist die Idee entstanden, ich habe mich auf die Suche gemacht und einiges gefunden", so der Sänger, zu der Entstehung der Lieder-Matinee. Der sich übrigens auch als großartiger Rezitator erwies.
Begonnen hatte die Matinee mit einem Auswandererlied über den Tabak: "Meinen Tabak bau ich mir, der wächst auf meinem Land, Steuern zahlt keiner hier, rauch Du doch Stuyvesant....Ha, Ha, Ha - alte Welt, magst zahlen beten und hungern und nach Fürsten Gnad und Gunst das ganze Leben lungern", sang der Liedermacher und sprach damit ein zwar kleines aber sehr aufgeschlossenes Publikum an. "Das klingt ja eher nach Country und Western und nicht nach einem Lied von 1846", meinte eine Besucherin und lag damit nicht ganz falsch, denn Zachcias der auch bei den "Grenzgängern" für die Recherche zuständig ist, konnte erklären, dass gerade auch die Auswanderer großen Einfluss auf dieses Genre gehabt hatten.
"Von Hamburg und Bremen sind 100000 Menschen in die Vereinigten Staaten ausgewandert", wusste er auch Fakten zu berichten. Das Lied dazu stammte ebenfalls von Hoffmann von Fallersleben: "...Michel fass ein Herz endlich auszuwandern, hier gehörst du dir, dort nur stets den anderen", sang der Liedermacher das Lied "Hier am Mississippi" und konnte nicht umhin, den letzten Vers von Fallerslebens Gedicht zu rezitieren: "...Mancher hat sich hin begeben, aber keiner kam hinein. Ja, und habt ihr keine Flügel, nie gelang ihr bis ans Tor, denn es liegt ein breiter Hügel ganz von Pflaumenmus davor."
"Für viele schien damals Amerika das gelobte Land zu sein, das Land in dem Milch und Honig fließt", erfuhren die Zuhörer. Denn im Deutschland dieser Zeit herrschte Fürstenwillkür und Hunger am Vorabend der Märzrevolution. Außerdem erzählte der Künstler von Erfahrungen des jungen Karl May, die vom Sammeln von Kartoffelschalen sprachen und damit deutlich Zeugnis ablegten von den Nöten der einfachen Bürger. Dazu passte das Loblied auf die Kartoffel und das Lied der Bremer Stadtmusikanten.
Als Zugabe hatte Zachcias noch die absurden Reimverse "Dunkel war's, der Mond schien helle" parat und ein Lied aus der eigenen Feder: "Das Lied von der Tütensuppe". Und wenngleich nur ein kleines Publikum anwesend war, sangen alle den Refrain mit und hatten dank eines hochkarätigen Künstlers ein Frühstück mit besonderer Qualität genossen.
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