 Bissig-satirischer Liederabend im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum
FALLERSLEBEN. Wo und wie er auf den Hoffrnann gekommen, auch das gab Michael Zachcial am Freitagabend im Gewölbekeller des Fallersleber Schlosses preis. So vor gut zwölf Jahren war´s, fast beiläufig, aber der Liedermacher entdeckte den politischen Lyriker des 19. Jahrhunderts und begeisterte sich für dessen „Unpolitische Lieder" So viel innere Beteiligung wirkt sich aus in einem Liedervortrag, vermag auch das Publikum in der Geburtsstadt des Dichters und Demokraten mitzureißen. Zachcial spielt leidenschaftlich, greift in die Saiten seiner Gitarre, als gelte es den Sturm auf die Bastille einzuläuten. Stark, hämmernd, mitziehend.
Vielleicht haben sie damals auch so gesungen, sich so in ihren Freiheitsrausch gesteigert: die Burschenschaftler der Wartburg, die liberalen Revolutionäre der Paulskirche. Und Hoffmann schrieb ihnen die Lieder dazu. Auch später noch, als der Vormärz im Verfassungsbruch vieler Monarchen endete wie des Königs von Hannover.
Michael Zachcial trägt diese leidenschaftliche Lyrik auch vor, erweist sich damit als Rezitator von stimmlichem und mimischem Format. Dazwischen ist er ein Erzähler, einer, der mit leiser, nachdenklicher Stimme kurze, treffende Einblicke in das 19. Jahrhundert gibt, den Kampf um Freiheit, um Einheit, um Recht; die neuen Möglichkeiten schnellerer Bewegung und frühindustrieller Fertigung.
Er weiß, wovon er spricht: Michael Zachcial, geboren 1963, ist in Duisburg aufgewachsen, wo still gelegte Stahlwerke und Fördertürme von einstiger Industrieblüte künden. Hoffmann von Fallersleben, 1798 bis 1874, ist in einem Fallersleben groß geworden, dass unter napoleonischer Herrschaft stand. Sein Vater war Bürgermeister unter den Franzosen im Königreich Westfalen. Die jungen Leute aber waren Patrioten, die gegen die Franzosen-Herrschaft ins Feld zogen. Hoffrnann war da dafür noch zu jung.
Dann sympathisierte er mit Marx,, verband sich mit Heinrich Heine in einer Burschenschaft, flüchtete vor der Polizei durch die deutschen Lande, ach das ist ja alles nur allzu bekannt in dieser Stadt. Zachcial verstand es, weniger bekannte Lieder Hoffmanns von Fallersleben zu singen: aus dem texanischen Liederbuch, gegen die Philister, vom Untertanengeist der Deutschen. Verse voller Schärfe, bissiger Satire schon in den Titeln. Darauf verstand sich Hoffmann, darum finanzierten den Flüchtling liberale Kaufleute. Sie heute lebendig zu interpretieren, darauf versteht sich Zachcial, darum applaudierte ihm das Publikum.
Wolfsburger Nachrichten , Hans Karweik , 12. November 2011
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