 Gemeinsam mit Musikern beschäftigen sich Schüler des Gymnasiums mit dem Kapp-Putsch
Suhl - „Die trugen am Stahlhelm das Hakenkreuz blank, 1920 - schwarz-weiß-rotes Band / Die putschen von rechts, gegen die SPD / mit Freikorps und Reichswehr - ja, das tut weh / Sie haben gemordet - sie haben verraten...", rapt Frank Baier rhythmisch. Die Schüler der 11. Klasse des Staatlichen Gymnasiums lauschen den Zeilen des „März-Rap 1920", die Frank Baier mit Michael Zachcial von der Gruppe „Die Grenzgänger" vorträgt.
In einem Workshop in der Jugendschmiede gab es gestern mehr als „nur" Musik. Jedes Lied, jede Zeile hat eine Bedeutung, eine Geschichte. Frank und Michael reden mit den Schülern über den Kapp-Putsch. Doch nicht nur Vergangenes ist ein Thema in der Runde. Die Musiker verknüpfen ge-schickt die Ereignisse der Geschichte mit der Aktualität. Nicht umsonst heißt es im März-Rap auch: „Wer die Geschichte nicht kennt und das Heute nicht sieht / Hat keinen Plan was morgen geschieht". Nach einigen Liedern werden die Schüler langsam warm. Sie erzählen von ihren Wurzeln und ihrem Halt: Der Glaube, ihre eigene Musik und Rationalität. Frank und Michael hören zu, es ist ihr Wunsch, dass Generationen miteinander ins Gespräch kommen, hinterfragen.
"Jeder hat sich so seine Gedanken gemacht, auch wenn nicht alle was gesagt haben", meint Schülerin Almut. Frank Baier nennt das „Kino im Kopf" und genau das hatte er gemeinsam mit Michael Zachcial anknipsen wollen. „Mir hat die musikalische Auflockerung gefallen, die alten Lieder kennt man kaum", stimmt Niklas zu. Im Geschichtsunterricht haben stell die Liftklässler mit dem Thema Weimarer Republik und Kapp-Putsch beschäftigt.
Geschichte zum Anfassen
Die Sichtweise ist neu und de Bezug zur Aktualität gefällt den Schülern. Auch für Lehrerin Heidemarie Schwalbe ist der Workshop „Geschichte zun Anfassen". Sie engagiert sich beim Bündnis für Demokratie und Toleranz, das den Workshop anlässlich des 90. Jahres-tags Knpp-Putsch organisierte. Die Musiker aus dem Ruhrgebiet beschäftigen sich seit mehreren Jahren mit der Geschichte. Frank Baier lernte einst den Zeitzeugen Johannes Leschinsky kennen, der seine Erfahrungen in Lieder fasste. Als sich Frank Baier und Michael Zachcial mit den „Grenzgängern" traf, entstand die Idee, eine Kollage aus den Liedern, vermischt mit eigenen Texten und Originaltönen zusammen zu stellen. Es entstand die CD „Lieder der Märzrevolution 1920", die Michael im eigenen Label veröffentlichte und für die es 2006 den Preis der deutschen Schallplattenkritik gab.
Von den Schülern gab es für die musikalischen Einlagen Applaus. Genauso wie am Abend zuvor als auch die anderen „Grenzgänger" Annette Rettich, Jörg Fröse und Felix Kroll mit den beiden Musikern ein Konzert in der Jugendschmiede gaben. Leider vor einem kleinen, dafür aber feinen Publikum.
Freies Wort Suhl, 26. März 2010, Linda Hellmann
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