 KUHSTEDTERMOOR. Es war wieder einmal voll im Cultimo. Die "Grenzgänger" brachten bei der ersten Veranstaltung im Jahr 2009 alte Lieder in neuem Gewand zu Gehör. Michael Zachcial und Jörg Fröse hatten sich angekündigt und widmeten sich den Werken von Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Der Schriftsteller lebte von 1798 bis 1874. Seinen Bekanntheitsgrad verdankt er vor allem seinem 1841 geschriebenen "Lied der Deutschen", heute besser bekannt als Nationalhymne.
Geschrieben hat er aber noch viel mehr. Zu seiner Zeit war er einer der bekanntesten Sängergrößen im revolutionären Bürgertum des Vormärz. Bei der Oberschicht war er weniger beliebt. Kein Wunder, Fallersleben schrieb äußerst kritische Texte, immer zu Melodien bekannter Volkslieder, weshalb sie schnell in aller Munde waren.
Die Konsequenzen für Fallersleben kamen schnell: Berufsverbot, Verfolgung und Publizierverbot. Trotzdem hat Hoffmann von Fallersleben Gedichtbände veröffentlicht, die in ihrer Auflage unerreicht seien, meinte Michael Zachcial, Sänger und Gitarrist der "Grenzgänger". Die Polizei habe alle Hände voll zu tun gehabt, die erschienenen Bände zu konfiszieren. Dazu passt auch dieser Refrain von Fallersleben: "Ich denke, rede, handele frei mit Polizeierlaubnis", erklärte Zachcial. Auch wenn Fallersleben über die Politik zu seiner Zeit geschrieben hat, lassen sich durchaus Bezüge zum aktuellen politischen Geschehen herstellen: ob Hessenwahl oder Finanzkrise - die "Grenzgänger" brachten mit kleinen Anspielungen das Publikum immer wieder zum Lachen und Schmunzeln.
Doch Heinrich Hoffmann von Fallersleben stieß nicht nur dem Adel vor den Kopf. In seinem Lied "Sum, ergo cogito" unterstellt er den Deutschen, immer nur zu denken und verdreht damit den Grundsatz des französischen Philosophen René Descartes "cogito, ergo sum" (Ich denke, also bin ich). Kritisch betrachtete er alle Aspekte des Lebens und trug sich sogar mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen und auszuwandern. Was kaum jemand weiß: Hoffmann von Fallersleben war nicht nur Autor politischer Satiren, sondern auch zahlreicher Kinderlieder, wie "Der Kuckuck und der Esel" und "Alle Vögel sind schon da".
Die Gruppe "Grenzgänger" gewann mit ihrer unkonventionellen Musik schon viele Preise. Unter anderem mehrfach den deutschen Schallplattenpreis und 1995 waren sie Gewinner des Deutschen Folk-Förderpreises. Ihre CD war "CD des Monats" in der SWR-Liederbestenliste. 2003 repräsentierten die "Grenzgänger" Deutschland beim Festival der Europäischen Rundfunkanstalten in Norwegen.
Weser-Kurier, 27. Januar 2009, von Rebekka Sannmann
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