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Die Kunst der Grenzgänger sprengte bei weitem den Rahmen dessen, was man sonst so von Kulturfördervereinen geboten bekommt. Kleinkunst war das nicht mehr, das war schon größte Kunst.

Schleswig-Holsteinische Landeszeitung
Pressestimmen

Solide und überzeugend

Mittwoch, 06. August 2008, in: Pressestimmen

Pressestimmen

Das Bremer Folktrio „Die Grenzgänger" hat in Zusammenarbeit mit dem Duisburger Liedermacher Frank Baier, der bereits in der Vergangenheit wiederholt historisches Liedgut der Arbeiterbewegung neu vertont hat, auf ihrem vielbeachteten und mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Konzeptalbum „1920 - Lieder der Märzrevolution" die Niederschlagung des Kapp-Putsches als Aufhänger gewählt. Sie greifen im Zuge dessen größtenteils auf historische Texte jener Zeit zurück - u.a. Erich Mühsams „Soldatenlied" (1916), Oskar Kanehls „Völker hört die Zentrale" (1924), Anna Gmeyners „Lied der Bergarbeiter" (1926), Victor Kalinowskis „14% Dividende" (1930), die sie musikalisch sehr behutsam in der Tradition des Arbeiterfolks und der Liedermacherbewegung vertonen.

Einen weiteren Bezug zu den euphorisch zur „Märzrevolution" stilisierten Ereignissen stellen sie über den Rückgriff auf Lieder aus dem Theaterstück „Märzstürme. Der Volksaufstand im Ruhrrevier", das ursprünglich vom „Hoffmann Comic Teater" ,einem Vorläuferprojekt der Agitpropband „Ton Steine Scherben" konzipiert wurde, sowie einer Radiocollage aus 0-Tönen der Ausrufung der Republik 1918 durch Philipp Scheidemann und zeitgenössischen Spottgedichten auf den Abgang des Deutschen Kaisers her. Weiterhin kommt der Zeitzeuge Johannes Leschinsky, ein ehemaliger Bergmann und Arbeiterdichter, zu Wort, um über seine eigene Erlebnisse bezüglich des Vorgehens der Putschisten zu sprechen.

Neben der historisierenden Wiedergabe versuchen „Die Grenzgänger" und Frank Baier einen aktuellen Bezug jener Erfahrungen auf die heutige Zeit herzustellen, der sich sowohl in dem aus den siebziger Jahren stammenden Folksong „Frühling im Revier" und in dem zusammen mit der Hip-Hop-Band SOG - „Sons of Gastarbeita" - eingespielten „März-Rap 1920" findet. Dieser Versuch ist im Gegensatz zu den musikalischen Umsetzungen der Arbeiterlieder leider mißlungen, was dem Gesamteindruck des Albums allerdings keinen wesentlichen Abbruch tut. In einem mit 68 Seiten sehr umfangreichen Booklet liefern bereits publizierte Beiträge des vor ein paar Jahren verstorbenen Historikers Erhard Lucas Hintergrundinformationen über den Verlauf und die Niederschlagung des Kapp-Putsches. Neue Ergebnisse oder Sichtweisen über die Ereignisse bieten sie dabei nicht, ebensowenig wie sie verschollenes Liedgut zutage fördern. Die vertonten Texte lagen alle bereits publiziert vor.

Die Grenzgänger und Frank Baier haben aber eine solide, an ein breites Publikum gerichtete Dokumentation der Ereignisse im März 1920, die sowohl musikalisch als auch von der Auswahl der Lieder und Informationen qualitativ überzeugend ist, produziert.

Maurice Schuhmann, Berlin - IWK2-3/06


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