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Mag es am Anfang noch ein paar Skeptiker im Publikum gegeben haben. Zum Schluss waren alle überwältigt und bedankten sich stehend mit minutenlangem Beifall.

Die Rheinpfalz
Pressestimmen

Volles Haus im Ackerbürgerhaus

Dienstag, 30. Januar 1996, in: Pressestimmen

Pressestimmen

Spritzig und unverbraucht

Salzkotten (sf). ,,The same procedure as last year?" ,,The same procedure as every year´". Seit zig Jahren gehören der letzte Abend des Jahres und "Dinner for one" untrennbar zusammen. Und im Januar? Klar, da gibt´s ja Folk-ln im Salzkottener Ackerbürgerhaus. Doch genauso, wie man Freddy Frinton einfach nicht leid wird, bleibt auch die traditionelle Kneipenfolk-Veranstaltung der Danzdeel noch im siebzehnten Jahr spritzig und unverbraucht. Rappelvoll war es am Samstagabend wieder im Zwiebelkuchengeschwängerten Gemäuer in der Vielser Straße. Neben deftiger Labsal für den Magen durften sich auch Ohren und Zwerchfell nicht beschweren. Mit sicherem Gespür für die Ansprüche der Folkfans aus nah und fern hatten die Organisatoren zwei Gruppen eingeladen, über die man wahrlich nicht meckern konnte.

Satte, bodenständige Musik ohne Schnörkel hatten die ,,Raben vom Penzlauer Berg" im Gepäck. Der Berliner-Live-Band sah man ihren Spaß an, nach kleinen stimmigen ,,Ausflügen" wieder zu den Wurzeln traditioneller Folk-Musik´ zurückzukehren. Gefallen daran hatten auch die Zuhörer, was rhythmisches Mitwiegen und Fußwippen eindeutig belegte. Gewürzt mit einer kräftigen Prise Humor ging die musikalische Rechnung der "vier schwarzen Vögel" auf.

Multikulturell zeigte sich das Duo "Grenzgänger". 200 jähre deutschamerikanischer Beziehung haben Michael Zachcial (Gesang/Gitarre/Akkordoen/Mundharmonika) und Jörg Fröse (Gesang/Mandoline/Geige/Konzertina) in ihrer jüngsten CD ,,Auswandererlieder" aufgearbeitet und ernteten dafür den Preis der Deutschen Schallplattenkritiker im Bereich Liedermacher. Mit zugabeträchtigen Kostproben aus ihrer silbernen Scheibe erlebte das Publikum im Ackerbürgerhaus — wie einst die Emigranten im Land der (un-)begrenzten Möglichkeiten — ihr blaues Wunder.

Im lockeren Plauerton, angereichert mit einem Quäntchen Zynismus, stellten die beiden Bremer neben ihrem Musikprogramm aktuelles Zeitgeschehen und vergleichbare Historie gegenüber. Sie belegten damit einmal mehr, daß Volksmusik und Kabarett durchaus eine harmonische Ehe eingehen können, in der Grenzübertritte nicht bestraft werden. Der Humor blieb dabei keinesfalls auf der Strecke, wagten es die "Grenzgänger" doch, ganz bajuwarisch eine Tuba auf der Gitarre darzustellen.

Neue Westfälische, Nr. 25 Dienstag, 30. Januar 1996


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