| Die Kunst der Grenzgänger sprengte bei weitem den Rahmen dessen, was man sonst so von Kulturfördervereinen geboten bekommt. Kleinkunst war das nicht mehr, das war schon größte Kunst.
Schleswig-Holsteinische Landeszeitung |
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Sonntag, 02. Juni 2002 Ein Querulant war er, ein schwarzes Schaf. „Kleingeistige Kriecher“ nannte Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) seine deutschen Landsleute, die nichts von fremden Kulturen wissen wollten. Er verspottete Beamte als „Knechte der Gewalt“ und verachtete die Regierung, die „ein freies Gemüt hasst“. Wegen von Fallerslebens „bitteren Spottes“, mit denen er die „öffentlichen und sozialen Zustände in Deutschland“ angriff, sprachen ihm die Innenminister ein Berufsverbot aus. Der Hans Söllner des 19. Jahrhunderts „sang mit einem Humore, unter dem der tiefste Schmerz verborgen liegt“, schrieb die Mannheimer Abendzeitung 1843 in einer Konzertkritik. Fünf Jahre später waren von Fallerslebens Lieder die Hymnen der Revolution – auch sein „Weihe- und Huldigungslied“ mit dem Titel „Deutschland über alles“, das 1922 zur Nationalhymne erkoren wurde.
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Montag, 29. April 2002 BARRIEN · Was haben "Morgen kommt der Weihnachtsmann", "Alle Vöglein sind schon da" und die deutsche Nationalhymne gemeinsam? - Alle drei Texte stammen aus der Feder August Heinrich Hoffmanns, besser bekannt unter seinem "Kampfnamen" Hoffmann von Fallersleben.
"Hoffmann war ein früher Liedermacher, ein Wolf Biermann, Hannes Wader oder Franz Josef Degenhardt des 19. Jahrhunderts", sagt das Bremer Trio "Die Grenzgänger" über den Dichter. Am Freitag gastierte das "Folkkabarett", wie sich die Band selbst gern nennt, in der Barrier Wassermühle. Und das Publikum im ausverkauften Haus wunderte sich nicht schlecht darüber, welche Brisanz und Aktualität Hoffmanns gut 160 Jahre alte Texte zum Teil noch haben. Das betont die Band vor allem durch die originelle Präsentation, indem sie die alten Texte in moderne Rhythmen packt.
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Montag, 29. April 2002 Folkkabarett "Grenzgänger" gastierte und überzeugte in der Wassermühle
Syke-Barrien. An Grenzen kratzen sie gerne. Werden auch schon mal politisch, ironisch und vor allem eines: kabarettistisch und richtig musikalisch. Am Freitag gastierte das Trio "Grenzgänger" in der Barrier Wassermühle und unterhielt das zahlreich erschienene Publikum bestens.
Hoffmann von Fallersleben heißt der Mann, der den drei Herren mit seinen Texten und Gedichten die beste Inspiration für ihre schwungvoll dargebotenen Lieder gab. "Dem Regierungsra" zum Beispiel. Ihm widmete der Autor der deutschen Nationalhymne einige Verse. "Wir haben das mit einem Südsee-Karibikflair versehen, damit das Leiden dieses Mannes besonders sichtbar wird", verriet Sänger und Gitarrist Michael Zachcial augenzwinkernd. Aloha - Folk vom Feinsten ist das, was Zachcial und seine Kollegen Friedemann Bartels und Jörg Fröse servierten. "Und nun wollen wir gemeinsam singen für den armen Regierungsrat." Zachcials zackige Worte verhallten unbeachtet.
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Mittwoch, 10. April 2002 Auf dieser CD der Bremer Folkgruppe „Grenzgänger" haben Michael Zachcial und Jörg Fröse 17 Lieder zusammengestellt, die erste Eindrücke von einer bisher weitgehend unbeachteten, ja in Vergessenheit geratenen Liedgruppe vermitteln. Dabei ging es den beiden engagierten Musikern auch darum, in Erinnerung zu rufen, dass Deutschland, eines der Länder, die im Verlauf ihrer Geschichte unzählige Auswanderer produziert haben, eine ganz besondere Bringschuld zukommt, wenn es um die Aufnahme von Menschen geht, die Zuflucht und gastfreundliche Aufnahme suchen. Zachcial und Fröse riefen im Sommer 1994 ihre Kollegen aus der Bremer Musikszene zur Teilnahme an einer Revue „Damals wir - heute ihr" auf, die im Dezember des gleichen Jahres mit Teilnehmern aus Frankreich, Chile, der Türkei, Indien und Zaire über die Bühne ging und in der die Mitwirkenden mit Aus- bzw. Einwandererliedem aus ihrer jeweiligen Heimat auf ihre Situation hinwiesen.
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Montag, 01. April 2002 Folk bedeutet Tradition. Bei kaum einem Musikstil ist diese Erkenntnis so wahr. Schließlich liegt die Aufgabe dieser Kunst bereits in ihrem Namen. Es geht um das Volk. Um die kleinen Leute und ihre Geschichten. Um die Beschreibung von Alltag, von sozialen und politischen Missständen. Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) ist ein fast vergessener deutscher Folksheld. Die Ironie der Geschichte will, dass der Breslauer Literatur-Professor über einige wenige Werke zwar jedem Kind bekannt ist, dass man über die Vielfalt der Figur Fallersleben und deren oftmals subversives Schaffen jedoch wenig weiß.
Fallersleben ist der Autor des Deutschlandliedes. Er hat Kinderlieder wie "Alle Vögel sind schon da", "Ein Männlein steht im Walde" und "Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald" gesammelt oder geschrieben. Er war keineswegs adelig. Den Titel von Fallersleben gab er sich nach seinem niedersächsischen Heimatort selbst, um den Adel zu provozieren. Das ist die Art von Humor, den auch seine "Unpolitische Lieder" atmen, die die Bremer Gruppe Grenzgänger nun vertont hat.
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